CAPTCHA – Von Mensch und Maschine
Bis vor kurzem war mir nicht bewusst, dass der Begriff CAPTCHA ein Acronym für Completely Automated Public Turing test to tell Computers and Humans Apart darstellt.
Sehr wohl klar war mir, dass CAPTCHA inzwischen deutlich besser von Maschinen gelöst werden können, als von der menschlichen Spezies.
Aber vielleicht nochmal von vorn: CAPTCHAs sind ein Sicherheitsmechanismus im Internet. Sie sollen sicherstellen, dass eine menschliche Interaktion stattfindet, indem sie Benutzer auffordern, einfache Aufgaben zu lösen, die für Menschen, jedoch nicht für Computer, leicht zu bewältigen sind. Diese Aufgaben umfassen oft das Erkennen von Buchstaben und Zahlen in verzerrten Bildern oder das Auswählen bestimmter Objekte aus einem Bild oder einem Grid (looking at you, Google!).
Allerdings zeigt sich, dass CAPTCHAs zunehmend an Wirksamkeit verlieren. Zumindest wenn man an der ursprünglichen Intention festhält. Artificial Intelligence (AI) ist mittlerweile in der Lage, viele CAPTCHA-Aufgaben genauso gut, eigentlich sogar besser, als Menschen zu lösen. Modelle, die auf Mustererkennung trainiert sind, können verzerrte Zeichen und komplexe Grafiken problemlos erkennen. Dadurch wird die grundlegende Annahme von CAPTCHAs – dass Maschinen diese Aufgaben nicht lösen können – ad absurdum geführt.
Mark-Uwe Kling hat die over-performance von künstlichen Intelligenzen in Bezug auf CAPTCHAs in seiner Fiktion QualityLand bereits vorhergesehen. Dort dient der Sicherheitsmechanismus zum Ausschluss menschlicher Wesen, die nicht mehr in der Lage sind, die Aufgabenstellungen zu lösen.
Für die einen werden CAPTCHAs immer nerviger, andere Nutzende stellt die Mechanik schon längst eine unüberwindbare Barriere im Netz dar. Nun scheint das Horse-Race, aus Sicht der allermeisten menschlichen Wesen also endgültig verloren.
Wenn also die Intention hinter dem Automated Public Turing test to tell Computers and Humans Apart nicht umgekehrt werden soll, wäre also nun die Zeit gekommen, die „Wählen Sie alle Fotos mit Ampel aus“-AI-Trainingsaufgaben endgültig abzuschaffen. Außer ein paar Bots aus der Zeit des Web 2.0 halten CAPTCHAs wohl kaum noch ungebetene, digitale Gäste auf.
Wo aber geht die Reise hin? Der Bedarf an Mechanismen zur Erkennung menschlicher Nutzenden besteht ja weiterhin. Mechanismen auf Basis von Verhaltensanalyse oder biometrischen Merkmalen könnten in den Fokus rücken.
Ob das – abseits der User Experience – jetzt besser ist, muss jede und jeder für sich selbst beantworten.