Sandkasten mit Klettergerüst

dev null / flickr (CC BY-SA 2.0)

Gamification — zurück in den Sandkasten

Der Begriff Gamification ist auf gutem Wege, zu einem Buzz Word zu mutieren.

2009 startete die Volkswagen AG eine Initiative1 mit dem Versuch, Leute dazu zu bewegen, alltägliche Prozesse und Lebenssituationen durch interaktive Elemente interessanter zu gestalten. Die eingesendeten Videos reichen von öffentlichen Mülleimern mit Soundeffekten bis zur überdimensionalen Klaviatur auf einem Treppenaufgang neben einer Rolltreppe. All diese Projekte sollen anspornen, die modifizierten Objekte, trotz eines Mehraufwandes, vorzugsweise zu nutzen.

Online-Dienste wie Facebook, Foursquare oder Tumblr versuchen durch spielerische Elemente im Portfolio die Nutzer zu regelmäßigen und langen Aufenthalten zu bewegen und an das Angebot zu binden. Ob motivierende Statistiken, Achievments oder Browser Games, all diese Features verfolgen dasselbe Ziel.

Der Trend Gamification beschränkt sich dabei nicht nur auf private Lebensbereiche, sondern erhält konzeptionell bereits Einzug in die Arbeitswelt. So bietet Channel 9 für die Software-Entwicklungsumgebung Microsoft Visual Studio eine Erweiterung im Stil eines Punkte- und Belohnungssystems2. Damit soll der Einsatz von bestimmten Programmstrukturen und Bezeichnern mit dem Erhalt von Punkten (aber: bzw. title: beziehungsweise) Achievements belohnt werden. Bekannt ist diese Art der dokumentierten Zielerreichung aus Spieletiteln auf aktuellen Spielekonsolen.

Was auf kurze Sicht erfolgsversprechend ist, führt langfristig vermutlich eher zu einer falschen Betrachtungsweise der zu bewältigenden Aufgaben. Ziel ist dann nicht der optimale Lösungsansatz eines Problems, sondern die Maximierung der persönlichen Achivements. Der qualitative Wert einer erfüllten Aufgabe lässt sich, im Gegensatz zur Quantität, schwer bewerten. Besonders automatisierte Verfahren stoßen da an ihre Grenzen. Zweifelhaft ist zudem die Langzeitmotivation. Es besteht die Gefahr, dass der Grundgedanke eines Belohungssystems eine Wettbewerbssituation unter Mitarbeitern schafft. Dies würde den Teamgeist schwächen und Individualismus in der Unternehmensstruktur fördern. Zudem könnte sich langfristig die Erwartungshaltung gegenüber Arbeitsaufgaben verändern. Die spielerischen Elemente könnten zur Selbstverständlichkeit werden.

Gezielt und zeitweise eingesetzt, sorgen Belohnungssysteme sicher für eine erhöhte Produktivität. Der Erfolg einer dauerhaften Implementation des Gamification-Ansatzes in Arbeitsprozessen ist jedoch fragwürdig.

  1. Eine Volkswagen Initiative: The Fun Theory 

  2. Visual Studio Erweiterung: Visual Studio Achievements - Channel 9